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weitere Arbeiten von mir 

 

 

MOISSEY KOGAN PROJEKT

 

 

 

Am 25.5.2015 bin ich durch „Zufall“ auf den Bildhauer Moissey Kogan gestoßen. Aus der Beschäftigung mit seinem Leben und seinem Werk (v.a. durch meine Diplomarbeit) resultierten- und resultieren weiterhin- überraschende Geschichten und Begegnungen. Im Rahmen des Moissey Kogan Projekts möchte ich diese Erlebnisse, die mich immer wieder tief berühren, mit Interessierten teilen. Die Chronologie der „Geschichte“ ist so gegliedert, dass der jeweils letzte Bericht an erster Stelle erscheint. 

 

Inhaltsverzeichnis

 

  Kogan in Neuss (2021) 

 

  Kogan in Zürich (2020)

 

  Kogan in Ascona (2020)

 

  Kogan in Bremen (2019)

 

   Auf den Spuren von Kogan in Paris (2019)

 

   Im Blog von Helen Shiner (2019)

 

   Eine wundersame Begegnung- Veranstaltung zum 75.Todestag (2018)

 

   Das erste Original (2017)

 

   EVA- eine hommage an Moissey Kogan (2015-2016) Link

 

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Kogan in Neuss 2021

 

Die Vorfreude ist groß auf den Besuch des Clemens Sels Museums in Neuss Ende März 2021. Wieder wir mir die Tür eines Archivs geöffnet, um weitere Arbeiten von Kogan zu sehen. Dr. Bettina Zeman, Kustodin des Museums, lud mich auf meine Anfrage zu einem Besuch ein. Mein Sohn Tomas Kleiner, der in Düsseldorf als Künstler arbeitet, wohnt nur 13 km vom Museum entfernt. So lassen sich beide Orte mit einer Reise wunderbar verbinden. Ca. 60km östlich von Neuss liegt Hagen, wohin der Kunstsammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus 1910 für einige Monate Kogan als Lehrer an die Schule des Folkwang-Museum holte. Das Clemens Sels Museum besitzt mehrere Grafiken, Skulpturen und Reliefs von Kogan. Die plastischen Arbeiten wurden in den Jahren 1958 bis 1960 vom Clemens Sels Museum erstanden, das damals unter der Leitung von Irmgard Feldhaus stand.

 

Ich werde von Frau Dr. Zeman herzlich begrüßt. Sie erzählt mir, dass auch ihr die Arbeiten von Kogan sehr gefallen. Es gab wohl für längere Zeit eine „Kogan-Vitrine“ in der ständigen Ausstellung des Museums. Ich hatte vor dem Besuch Bescheid gegeben, dass ich mich auf die Besichtigung der Skulpturen und Reliefs beschränken werde. Martin Langenberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums, führt mich ins Archiv. Er wird nun für mich eine Arbeit nach der anderen aus ihren „Verstecken“ holen, so dass ich sie mir in Ruhe anschauen kann. Es sind vor allem zwei Arbeiten, die mich sehr interessieren, da ich sie seit Beginn meines Projektes durch Fotografien kenne und in mein Herz geschlossen habe:

  • Ruhende“ Große Liegende mit Spitzentuch, 1929, Schamotte, 57cm x 83cm x 6cm

  • Sitzende mit angewinkeltem rechten Bein und geneigtem Kopf, um 1933, Terrakotta, 37cm x 12,4cm x 17,2cm

Außer dieser Arbeiten bekomme ich noch weitere acht zu Gesicht, vier Skulpturen aus Terracotta und vier Reliefs, eines davon aus Bronze.

 

Die „Ruhende“ ist im Archiv gehängt aufbewahrt, so dass ich sie in ihrer ganzen Pracht erleben kann. 2015 habe ich das von Kogan bevorzugte Prinzip des Negativschnitts an Hand eines Fotos der „Ruhenden“ geübt. Es entstand dadurch eine verkleinerte spiegelbildliche Kopie. Ich nannte sie die „Schwebende“. Ich fertigte mehrere Ausformungen aus Terrakotta an. Eine ungebrannte Form nahm ich im November 2015 mit nach Auschwitz-Birkenau, wo ich sie in der frisch gepflanzten Birkengruppe an der Judenrampe ablegte. Weitere Versionen habe ich an verschiedene Menschen weitergegeben.

 

Der Besuch des Clemens Sels Museums war besonders für mich, da ich zum ersten Mal Vollplastiken von Kogan anschauen konnte. Sie haben eine besondere Ausstrahlung. Vielleicht passt der Ausdruck provisorisch zu ihnen. Etwas nicht ganz Fertiges oder ein Zwischenstadium. Bis auf die „Ruhende“, die doch sehr abgeschlossen wirkt, könnten die anderen Arbeiten wie ein Zwischenprodukt auf dem Weg zum Ziel angesehen werden. Und das ist es, was mich so anspricht bei Kogans Kunst: Sie öffnet durch ihre Leichtigkeit und Spontanität Raum für Genialität. Sie macht mir Mut.

 

 

"Ruhende" (Große Liegende mit Spitzentuch)"Ruhende" (Große Liegende mit Spitzentuch)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Sitzende mit angewinkeltem rechten Bein und geneigtem KopfSitzende mit angewinkeltem rechten Bein und geneigtem Kopf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stehender Frauenakt mit Hand an der HüfteStehender Frauenakt mit Hand an der Hüfte

 

 

 

 

 

 

 

 

Detail Weiblicher Akt mit verschränkten Armen, schreitend, aus dem Triptychon Drei weibliche AkteDetail Weiblicher Akt mit verschränkten Armen, schreitend, aus dem Triptychon Drei weibliche Akte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kogan in Zürich 2020

 

Meine Reise auf Kogans Spuren führte mich in diesem Jahr ein zweites Mal in die Schweiz. Diesmal nach Zürich, wo Kogan 1921/22 an drei verschiedenen Orten zeitweise gewohnt hatte. Helen Shiner hat mich dankenswerter Weise wieder mit den Daten versorgt. Sie wies mich darauf hin, dass sich in der Sammlung des Museums für Gestaltung vier Arbeiten von Kogan befinden. So nahm ich im Vorfeld der Reise Kontakt mit Barbara Junod, Kuratorin der Grafiksammlung und Julia Klinner, Dokumentarin der Kunstgewerbesammlung auf. Wie bei den letzten Museumsbesuchen erlebte ich ein wohlwollendes Entgegenkommen und wir vereinbarten einen Besuchstermin. Ein Freund, der in der Nähe von Zürich lebt und der mein Moissey Kogan Projekt kennt, konnte es einrichten mich an diesem Tag zu begleiten.

 

Das Toni Areal, in dem sich das Museum für Gestaltung befindet, ist ein lebendiger Ort. Es ist seit 2014 der Campus der Züricher Hochschule der Künste und darüber hinaus ein Bildungs- und Kulturzentrum. Ich melde mich im Foyer des Museums an und werde von Frau Klinner in die Räume der Sammlung geführt. Meine Spannung steigt, als Frau Klinner Kogans Arbeiten holt und in einem abgetrennten Raum auf einem Tisch auslegt. Im vorausgegangenen Mailverkehr hat mir Frau Klinner geschrieben, dass sie bei ihrer Recherche einen Eintrag im handschriftlichen Inventarbuch gefunden hatte, der den Ankauf der vier Objekte im Jahre 1921 dokumentiert:

«M. Kogan, Hadlaubstr. 17, Zürich

(KGS-0) 8363 Stickerei: Sitzende, Seide auf Kanevas, Umrisse gemalt Kupfer 100,-

(KGS-0) 8364 Holzschnitt: weibliche Figur im Faltenkleid, Bronze auf Kupfer Grund 50,-

(KGS-0) 8365 Holzschnitt, 2 weibliche Figuren schwarz 25,-

(KGS-0) 8366 Holzschnitt, weibliche Figur im Faltenkleid in Goldbronze 25,-

g: Fr 200,-»

Und nun sitze ich den Originalen direkt gegenüber!


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Holzschnitte kommen mir sehr vertraut vor. Zweimal das Motiv der Tänzerin Bara- die Verbindung zu meinem Besuch in Ascona- und die beiden weiblichen Figuren, die mir bei Fotos von Kogans Arbeiten schon oft begegnet sind. Ganz besonders aber finde ich die Stickerei, da die aufwendige Technik wahrzunehmen ist. Hierzu ein Link zum digitalen Museum:

https://www.emuseum.ch/objects/97267/-

 

Im Anschluss machen wir uns mit der Tram und zu Fuß auf den Weg zu den Wohnorten Kogans.

 Hadlaubstraße  17, ein NeubauHadlaubstraße 17, ein Neubau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemeindestrasse 17Gemeindestrasse 17

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Unionstraße 6Unionstraße 6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war wieder ein besonderes Erlebnis für mich auf den Spuren meines „Meisters“ zu gehen. Im Nachhinein wird mir deutlich, dass ich noch zu wenig weiß, was Kogan hier in Zürich erlebt hat, mit welchen Menschen er zusammentraf. War er hier auch in die theosophische Gesellschaft eingebunden? Vielleicht finde ich noch etwas heraus.

 

 

 

Kogan in Ascona 2020

 

 Recht spontan war eine kurze Reise nach Ascona, in mein geliebtes Tessin, angesagt. So konnte ich an den Aufenthalt im Sommer 2015 anschliessen, als ich mich an diesem Ort anfänglich Kogans Kunst nähern konnte. Ich fertigte damals freie Kopien seiner Skulpturen an. Kogan hat einige Zeit in Ascona gelebt, hatte sogar im Vorort Losone ein Haus gebaut.

 

Im Vorfeld hatte ich Kontakt mit dem Museo Communale d'Arte Moderna in Ascona aufgenommen. Ich wollte gern das von Otto van Rees gemalte Portrait von Kogan sehen. Ich bekam von Michela Zucconi-Poncini aus der Verwaltung des Museums eine freundliche Zusage. Sie veranlasste, dass eine ihrer Mitarbeiterinnen das Gemälde für mich aus dem Archivlager holte. Das Museum lag noch im Winterschlaf. Die Saison begann erst eine Woche später.

 

 Das Gemälde ist größer als ich gedacht habe. Kogan ist überlebensgroß dargestellt. Es ist in matten Braun- und Grautönen gehalten. Kogan- zu der Zeit zwischen 43 und 44 Jahre alt- wirkt in sich gekehrt, ernst. Ich versuche mich in den Moment des Entstehens des Werkes zu vertiefen. Vor fast 100 Jahren (1923/24) saßen sich diese beiden Künstler gegenüber. Van Rees nahm damals Kogan auf intensive Weise wahr, nahm sein Wesen, seine Stimmung auf, und ließ dies in die Darstellung auf der Leinwand einfließen. Das war bestimmt eine innige Begegnung. Vielen Dank für die Möglichkeit, eine neue Facette von Moissey Kogan zu erleben.

 

 

 

 

Auf dem Friedhof von Ascona besuchte ich das Grab von Marianna Werefkin, der russischen Malerin, der Kogan sehr verbunden war. Das ist die Verbindung zur Giselastraße in München-Schwabing, wo Kogan ein häufiger Gast bei Werefkin und Jawlenski war. 

 

 

Außerdem ist hier auch Charlotte Bara beerdigt, eine Tänzerin, von der Kogan verzaubert war. Er hat sie in einem Holzschnitt verewigt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Auch den Monte Verità hab ich zum wiederholten Male besucht. Es existiert von dort ein Foto von Kogan, im Garten sitzend, zwischen Isa Speyer und Alfred Flechtheim.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ascona ist ein sehr schönes Stück Land auf dieser Erde. Ich kann Kogan gut verstehen, dass er gern hier verweilte.

 

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Kogan im Gerhard Marcks Haus in Bremen 2019

 

Unsere Urlaubsplanung führte meine Frau und mich dieses Jahr an die Nordsee. Mir fiel ein, dass 2002 eine große Kogan-Ausstellung im Gerhard Marcks Haus in Bremen stattgefunden hatte. Im Rahmen meiner Recherche fand ich auf der Homepage des Museums den Hinweis auf drei sich in der Sammlung befindlichen Werke von Kogan. Ob es wohl möglich wäre, diese zwei Grafiken und das Relief zu Gesicht zu bekommen? Das würde einen Tagesausflug nach Bremen lohnen. Auf meine Anfrage bekam ich eine positive Antwort von Dr. Veronika Wiegartz, der Kustodin und Stellvertreterin der Museumsdirektion, und wir vereinbarten einen Termin.

 

Frau Dr.Wiegartz empfing uns sehr freundlich in den im Kellergeschoss liegenden Büroräumen des Museums. Gespannt warteten wir, als sie uns vor einem leeren Tisch zurückließ, um die Stücke aus den „Katakomben“ zu holen. Sie brachte zuerst die beiden Linolschnitte: ‘Mädchen mit Chrysanthemen’ und ‘Zwei hockende Mädchenakte’. Das Motiv der hockenden Mädchen erinnerte mich sehr an die Radierung, die ich von Kogan besitze. Die Spannung stieg - gleich würde ich die erste originale Plastik von Kogan sehen! Und dann lag sie schließlich vor mir, und ich konnte sie ausgiebig betrachten. Ja, ich durfte sie sogar in meinen Händen halten und konnte lange in mich hineinsinnen.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich war erstaunt über die Kleinheit des in Terracotta gearbeiteten Reliefs. Es strahlt etwas von einem Altar in Miniatur aus. Zwei übereinanderstehende Räume sind dargestellt, die jeweils mit einem bogenförmigen Himmel abschließen. Im oberen Raum sieht man zwei sich gegenüber knieende, nackte weibliche Wesen, die sich ihre Hände zustrecken. Tragen sie gemeinsam etwas Unsichtbares, das sich zwischen ihnen befindet? Im unteren Raum sind vier Personen dargestellt. In der Mitte stehen zwei sich gleichende weibliche Figuren, gekleidet in lange Gewänder und jeweils die Arme vor der Brust gekreuzt. Sie sehen aus wie Göttinnen, haben etwas Statisches an sich. Vom Betrachter aus links neben ihnen kniet eine ihnen sich ehrfürchtig zuneigende männliche Person. Auf der rechten Seite ‘spiegelt’ sich diese Person in weiblicher Ausführung. Das Relief ist in der für Kogan so typischen Weise des Negativschnittes ausgeführt. Das hier zu sehende Positiv entstand also durch das Ausformen des Gipsnegativs mit weichem Ton. Kogan hat es in seiner besonderen, ihm eigenen Art durchgeführt, an der man ihn so gut wiedererkennt. Der in die Form gedrückte Ton wirkt fast wie unachtsam bearbeitet. Faltungen bleiben sichtbar stehen. Beschädigungen, die durch das Abziehen des Tones aus der Form entstanden sind, werden belassen. Der Rand des Reliefs darf so provisorisch bleiben, wie er entstanden ist. Die Rückseite scheint mit einem nassen Schwamm bearbeitet zu sein, vielleicht in der Absicht, eine relativ einheitliche Oberfläche entstehen zu lassen.

 

Wie ist ein Künstler geartet, der solch rätselhafte Motive wählt, der so unbekümmert mit dem Material umgeht? Ich glaube, dass ich Kogan wieder ein wenig näher gekommen bin. Beglückt verabschiedeten wir uns von Frau Dr. Wiegartz und ihren Mitarbeiterinnen. Vielen Dank für dieses besondere Erlebnis!

 

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Auf den Spuren von Moissey Kogan in Paris Juni 2019

Vorletztes Jahr habe ich bei Tjerk Wiegersma eine Radierung von Kogan erstanden. Sie ist mit „Kogan Paris“ signiert. Als ich nun am Planen einer Reise nach Paris war- mit dem Wunsch endlich einmal den Louvre zu besichtigen- kam mir die Idee, diese mit dem Besuch der Pariser Lebensorte von Kogan zu verbinden. Helen Shiner versorgte mich dankenswerterweise mit allen wichtigen Daten. So reiste ich in Paris an- im Gepäck die Adressen der fünf Stationen seiner Aufenthalte in dieser Künstlerstadt.

 

Mémorial des Martyrs de la DéportationMémorial des Martyrs de la Déportation

 Am Abend vor dem Kogan-Tag bin ich auf der Ile de Cité, um die verwundete Notre Dame zu sehen. Zufällig lese ich, dass am östlichen Ende der Seine-Insel das Mémorial des Martyrs de la Déportation errichtet wurde. Der Besuch dieses Ortes, der an die Deportierten während der NS-Zeit erinnert, hilft mir, mich für den morgigen Tageinzustimmen. Kogan war am 4.2.1943 in Paris festgenommen, nach Drancy gebracht und am 11.2.1943 von dort nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Am 13.2.1943 wurde er ermordet. Hier finde ich ein Verbindungsstück zu meiner Auschwitz-Reise im November 2015. 

 

 

 

 

 

7 Rue de Tournon7 Rue de TournonIch wohne in einem kleinen Hotel in der Rue Saint Denis und kann mich zu Fuss auf den Weg machen. Es ist Sonntagmorgen und die Strassen sind noch leer. Der Weg führt mich an die Seine, über die Ile de Cité ans südliche Ufer. Kurz vor dem Jardin de Luxembourg biege ich in die Rue de Tournon ein. Im Haus Nr.7 hat Kogan 1909 und 1911 gewohnt. Es hiess damals Hotel de Senat. Jetzt ist es ein gewöhnliches Wohnhaus. Ich bleibe eine Weile vor dem Haus und auf dem gegenüberliegenden Gehsteig stehen. Bevor ich weiter ziehe, berühre ich den Türgriff und die Türeinfassung.

 

Mein Weg führt mich nun durch den Jardin de Luxembourg. Ich setze mich auf eine Parkbank und schaue dem Treiben zu. Die Menschen sind an diesem Morgen sportlich aktiv mit Joggen, Tennis, Tai Chi und vielem mehr. Kogan wird wohl oft hier gewesen sein. Welchem Treiben er wohl damals zugeschaut haben mag?

 

 

 

 

 

14 Rue Bréa14 Rue BréaMeine nächste Station ist das ehemalige Hotel du Sport in der Rue Bréa Nr.14. Hier weilte Kogan 1910 und 1925. Der jetzige Name ist Hotel de Bréa. Ich versuche einfach anwesend zu sein. Ich bin nun im Dunstkreis des Café le Dôme, das fast in Sichtweite liegt, und begebe mich dorthin, an den Ort, an dem sich Anfang des 20.Jahrhundert so viele kreative Menschen versammelten. Hier wurde diskutiert und gearbeitet. Im Innenraum sieht es prachtvoll aus. Es hängen einige Fotos aus der damaligen Zeit, aber Kogan ist unter den Künstlern nicht zu finden. Für ihn floss damals hier der Kaffee in Strömen. Ich sitze vor einer kleinen- aber feinen- Pfütze Espresso. 

Café le DomeCafé le Dome

 

 

 

 

 

 

 

Musée ZadkineMusée ZadkineEs folgt der Besuch des Musée Zadkine in der nahe gelegenen Rue d'Assas. Ossip Zadkine war ein Landsmann und Freund von Kogan. Im Unterschied zu ihm ist Zadkine rechtzeitig in die USA emigriert und lebte ab 1947 bis zu seinem Tod wieder in Paris, in dem Haus, in dem sich das Museum befindet. Ein Gesicht in einer in Stein gehauenen Gruppe erinnert mich sehr an ein Werk von Kogan.

 

 

 

 

 

 

Grab von Henri LaurensGrab von Henri LaurensDer Friedhof vom Montparnasse liegt auf dem Weg. Das Grab von Zadkine finde ich nicht. Dafür stehe ich plötzlich vor dem Grab von Henri Laurens, das ich an einer seiner Skulpturen erkenne. Laurens gehörte demselben Künstlerkreis an wie Kogan.

 

 

 

 

 

 

 

Musée Antoine BourdelleMusée Antoine BourdelleIch entscheide mich auf dem Weg zur nächsten Station von Kogan noch einen Abstecher in das Museum von Antoine Bourdelle zu machen, einem weiteren Zeitgenossen von Kogan. Bourdelle ist so bekannt, dass die Strasse, in der das Museum liegt, nach ihm benannt ist. Ich gehe davon aus, dass bis heute noch keine Rue Moissey Kogan existiert. Bourdelle arbeitete gerne großformatig und bis ins Konkrete aus. Bei seinen Skulpturen ist noch viel Zierat zu sehen- Stoffe, Utensilien, Mimik, Bewegung … Das 19.Jahrhundert lässt grüssen. Ein prächtiges großes Pferd steht im Museumsgarten, kraftvoll und gespannt. Kogans Arbeiten weisen in eine ganz andere Welt.

 

 

 

 

 

 

Cité FalguièreCité Falguière

Von hier ist es ganz nah zur Rue Falguière. Von ihr geht eine kleine Sackgasse ab in die Cité Falguière, eine ehemalige Künstlerkolonie. In deren Nr. 14 wohnte und arbeitete Kogan in seinen letzten Lebensjahren. Vielleicht ist das der Entstehungsort der Radierung, die ich von Kogan besitze. An Stelle des alten Hauses steht nun ein modernes Wohnhaus am Ende der Gasse. Die Nr. 9 und Nr.11 sind noch original und strahlen weiterhin eine lebendige Künstleratelierstimmung aus. Ich setze mich auf eine Mauer und schaue die Gasse hinunter in Richtung der Einmündung in die Rue Falguière. Da ging er entlang- mein „Meister“. Am 4.2.1943 machte er sich auf und kehrte nie mehr zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 

La RucheLa RucheNun nehme ich doch die Metro und fahre zwei Stationen weiter in den Süden, um als nächste Station auf meinem Kogan-Weg die 2 Passage de Dantzig zu besuchen. In dieser Künstlerkolonie, die La Ruche genannt wurde, hat Kogan 1908 und 1912 gelebt und gearbeitet. Es scheint hier noch alles so zu sein wie damals. Die Gebäude und der verwunschene Vorgarten wirken einladend. Aber leider bin ich nur Zaungast. Auf der Tafel, die am Eingang angebracht wurde stehen viele Namen von Künstlern, die hier tätig waren- Moissey Kogan aber ist nicht erwähnt.

 

 

 

 

 

 

Musée RodinMusée RodinEs gibt noch eine letzte, weiter südlich gelegene Station, die 18 Rue du Moulin de Beurre, in der Kogan 1913 gewohnt hat, aber ich konnte sie im Stadtplan nicht eindeutig bestimmen. Ich bin außerdem müde vom Laufen und vom Aufnehmen der vielen Eindrücke. Ich entscheide mich mit der Metro zurück zu fahren. Dann mache ich aber doch noch einen Zwischenhalt für einen kurzen Besuch im Musée Rodin. Hier geht es mir ähnlich wie im Museum von Bourdelle. Ausdruck, Kraft und Bewegung der Skulpturen sind beeindruckend, auch der Prunk, in dem Rodin gelebt hat, aber es strahlt etwas Altmodisches, Gestriges aus. Wie rein, klar und liebevoll sind dagegen die eher unscheinbaren, zeitlosen Skulpturen von Kogan. Und wie zurückgezogen und ärmlich lebte ihr Schöpfer zeitgleich mit diesem anerkannten und gut bezahlten Meister der Bildhauerei. Zwei sehr konträre Welten.

 

 

 

Mit welchen Worten kann man den Bericht eines solchen besonderen Tages abschliessen? Lieber Moissey Kogan, ich bin Dir sehr dankbar für den erlebnisreichen Weg, den Du mir heute bereitet hast!

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Im Blog von Helen Shiner

Link zum Bericht von Helen Shiner zur Veranstaltung "Eine wundersame Begegnung" auf ihrer Homepage:

https://moisseykogancr.org/mapping-kogans-munich/

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Eine wundersame Begegnung- Veranstaltung zum 75.Todestag von Moissey Kogan

2018 jährte sich der Todestag von Moissey Kogan zum 75.Mal. Zu diesem Anlass nahm ich nochmals die Beschäftigung mit diesem mir während der Diplomarbeit in 2015/2016  so nahe gekommenen Künstler auf. Das Ergebnis war die Veranstaltung "Eine wundersame Begegnung" in München. In diesem Zusammenhang bekam ich Kontakt mit Helen Shiner aus Oxford, die seit vielen Jahren über Moissey Kogan forscht und publiziert. Zu meiner großen Freude kam sie sogar zu der Veranstaltung angereist. Es ergab sich ganz spontan, dass sie sich an diesem Abend mit einem Beitrag beteiligte.  Es ist daraus ein bleibender Kontakt entstanden. Helen Shiner hat am 13.2.2018 eine neue Homepage eröffnet (http://moisseykogancr.org/), auf der viele interessante Detail aus dem Leben und über das Werk von Kogan zu finden ist.

 

Hier der Link zum Einladungstext für die Veranstaltung am 22.3.2018 auf der Plattform Gedenkstättenforum: link

 

 Ich lade Sie und Ihre Freunde herzlich zu der  aufgeführten Veranstaltung ein.

In meiner Diplomarbeit des Studiums der Bildhauerei an der Edith Maryon Kunstschule in Freiburg habe ich mich intensiv mit dem jüdischen Bildhauer Moissey Kogan beschäftigt. Im Laufe des Jahres zeigte es sich, dass diese Arbeit mehr und mehr zu einer "Begegnung" wurde. Zum einen ist Kogan für mich ein Lehrer geworden- für die Schönheit, die Linie, den Ausdruck, die Schlichtheit, das Zeitlose. Zum andern hat er mich zu seinem Todesort Auschwitz-Birkenau geführt, wo er am 13.2.1943 63jährig starb. 

Kogan hat einige Jahre in München gelebt. Er hat 1903 bei Wilhelm Rümann an der Akademie für Bildende Künste studiert, war dann freischaffender Künstler und beteiligte sich 1910 an der Neuen Künstlervereinigung. Er war häufiger Gast bei Jawlenski und Werefkin, die hier um die Ecke in der Giselastr. 23 wohnten.

Die Gedenkstunde gestalte ich aus Dankbarkeit für die besonderen Erlebnisse, die ich durch die Beschäftigung mit ihm erfahren habe. Bei der Feier werden- neben der "Geschichte"- verschiedene Texte zu hören und einige Fotos seiner Werke, kleine Kopien in Terrakotta, eine Originalradierung zu sehen sein. 

Ich freue mich auf Ihr Kommen.

Torsten Kleiner

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Das erste Original

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Tjerk Wiegersma erstehe ich 2017 eine feine Radierung von Kogan. Es ist das erste Original, das ich von ihm zu Gesicht bekomme. Tjerk Wiegersma´s Großvater Hendrik Wiegersma hat damals Kogan als Galerist in den Niederlanden vertreten.

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 Link zur Diplomarbeit "EVA- eine Hommage an Moissey Kogan"