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MOISSEY KOGAN PROJEKT

 

Diplomarbeit an der Edith Maryon Kunstschule 2016

Meine Diplomarbeit hatte den Arbeitstitel „EVA- eine Hommage an Moissey Kogan“. Bei der Suche nach einem Bildhauer, der in Auschwitz ums Leben kam, traf ich auf Moissey Kogan, einem russisch-jüdischen Bildhauer (1879-1943). Ich hatte den Wunsch mich mit seinem Leben und seinem Werk zu beschäftigen. Vielleicht könnte es gelingen im Verlauf des Jahres ein Werk für ihn entstehen zu lassen- für ihn, der durch seinen abrupten Tod keine Möglichkeit mehr hatte, seine künstlerischen Ideen umzusetzen. Ich arbeitete mich in seine Formsprache ein. Sein Lebensthema war die weibliche Figur. In dieser Venus-Sphäre haben wir uns in gewisser Weise gefunden. Er ist in Birkenau (Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau) gestorben, ich bin in Birkenfeld geboren (die Birke hat aus spiritueller Sicht eine Beziehung zur Venus). So gab es verschiedene überraschende Anknüpfungspunkte. Ich begann mit Kopien seiner Werke, die ich bis jetzt nur durch Fotos kennen gelernt habe. Er erstellte Reliefs, Torsi und Vollplastiken, bevorzugt aus Terrakotta, wobei er vor allem mit dem Negativschnitt arbeitete. Das war eine ganz neue Welt für mich. Ich kann sagen, dass er mir in gewisser Weise ein Lehrer für die Gestaltung der weiblichen Figur war. In der Folge entstanden weibliche Figuren in meiner eigenen Formsprache. So entstanden Ton-Ausformungen aus dem Negativschnitt, dann aber auch Gips- und Betongüsse. Als besondere Arbeit entstand als letztes ein Torso aus Kalkstein, bei dem ich meine Erfahrungen durch die Arbeit an dem Räumlich-Leiblichen einfließen lassen konnte.Begleitend zeichnete ich „40 Spiegelskizzen“- Selbstportäts auf der Suche nach mir selbst. Ein wichtiger Moment im Diplomjahr war meine Reise nach Auschwitz am 23.11.2015. Meine Mentorin war Verena Reimann, Dozentin an der Edith Maryon Kunstschule, freischaffende Bildhauerin in Georgensgmünd, die mich mit viel persönlichem Engagement auf meinem Weg begleitete. In ihrem Atelier entstand der Torso aus Kalkstein.

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Torso (Treuchlinger Kalkstein, 107cm hoch)Torso (Treuchlinger Kalkstein, 107cm hoch)

Eva (Gips, Schlagmetall, 67 cm hoch)Eva (Gips, Schlagmetall, 67 cm hoch)

Meine ausgestellten Werke

  Torso

Diese Arbeit in Treuchlinger Kalkstein entstand an acht aufeinander folgenden Arbeitstagen. Als Werkzeug dienten Trennschneider und Meisel. Dies bewirkt eine besondere Oberfläche. Ich arbeitete auch hier ohne direktes Modell. Mir war wichtig, dass die Figur Leiblichkeit und Leichtigkeit ausstrahlt.

  Eva

Ein Gipsguss, entstanden aus einer aus Ton modellierten Figur. Dieser wurde dann zuletzt mit Schlagmetall in Goldton überzogen. Hier befreie ich mich von der sehr lieblichen Formsprache Kogans und bringe- trotz Ausstrahlung von Ruhe und Innerlichkeit- Kraft, Präsenz und Emotionalität hinein. Die Figur entstand ohne lebendes Modell.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fotos von Kogan, verschiedener Werke von Kogan und der Büste von BrekerFotos von Kogan, verschiedener Werke von Kogan und der Büste von Breker

Beschäftigung mit dem Leben und Werk von Moissey Kogan

Kogan war ein rastloser Mensch. Am 24.5.1879 in Bessarabien geboren lebte er später in Deutschland, in der Schweiz, in Holland und Frankreich. In Paris wurde er am 4.2.1943 verhaftet und in das Lager in Drancy gebracht. Am 11.2.1943 verließ der Zug um 10:15 Uhr den Bahnhof, in dem er unter der Nummer 290 nach Auschwitz transportiert wurde. Am 3.3.1943 starb er im Alter von 63 Jahren in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau.

Durch verschiedene Quellen entstand in mir ein Bild von Kogan und seiner Kunst. In meinen Augen ist er wirklich ein Venus-Künstler. Seine weiblichen Figuren strahlen eine Unschuld und Reinheit aus. Sie scheinen einer Zeitlosigkeit zu entspringen. Vielleicht liegt es an diesem Unspektakulären, dass er heutzutage so gut wie vergessen ist. Beim Eintauchen in diese besondere Welt entstand in mir die Idee, dass die Skulptur, die für ihn entstehen soll, eine Eva wird. Eva nicht im biblischen Sinn, als Frau des Adam, sondern Eva als das Urweibliche, das Ewig Weibliche.

 

 

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Kopie eines Reliefs von KoganKopie eines Reliefs von Kogan

Schwebende im PositivSchwebende im PositivSchwebende im NegativSchwebende im NegativKopien, Negativschnitt

Ein weiterer Schritt auf meinem Weg zu Kogan war das Kopieren einiger seiner Werke. Ich hatte hierzu nur Fotografien zur Verfügung, die bei den Vollplastiken als weitere Einschränkung nur eine Ansicht gaben. Besonders der Negativschnitt hat mich fasziniert. Für Kogan war dabei die Negativform, die im Gipsblock entsteht, die eigentliche Skulptur. Die Ausformung in Ton, die dann zu Terrakotta gebrannt wurde, war sozusagen nur ein Nebenprodukt. Die schwebende weibliche Figur (s.oben) ist spiegelbildlich zu Kogans Figur, da ich sie von einer Fotografie auf einen Gipsblock zeichnete und ausarbeitete. Auf den Fotos ist die unterschiedliche Wirkung vom Negativ (rechts) und Positiv (links) wahrzunehmen.

 

 

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Negativschnitt und AusformungenNegativschnitt und AusformungenNegativschnitt und AusformungenNegativschnitt und AusformungenNegativschnittNegativschnittSkizzen

Nun folgte eine Zeit der Suche und Versuche. Ich fertigte mehrere freie Reliefs und Kleinplastiken an und übte mich weiter im Negativschnitt. So entstanden einige Arbeiten in Ton, die ich zum Brennen geben konnte. Ich war dabei noch sehr mit der Formensprache von Kogan verbunden. Mehr und mehr kam ich in das Erleben der Körperlichkeit. Proportion, Linie, Anmut, letztendlich die Suche nach der Schönheit.

 

 

 

 

 

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die Birkengruppe an der  "Judenrampe"die Birkengruppe an der "Judenrampe"Weg zum Lager BirkenauWeg zum Lager BirkenauEiche an den Ruinen der GaskammernEiche an den Ruinen der GaskammernReise nach Auschwitz am 23.11.2015

Eine wesentliche Station auf dem Weg zu Kogan war für mich ein Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Diese Reise hatte ich von Beginn an im Sinn. Es war mein erster Aufenthalt an diesem Ort. Im Gepäck hatte ich ein ungebranntes Exemplar der Kopie der Schwebenden als Gabe für Kogan. Ich legte sie in der kleinen frischgepflanzten Birkengruppe an der Judenrampe ab. Hier kam Kogan mit dem Eisenbahntransport an. Seine “Venus” an einer jungen Birke, dem Baum, der nach spirituellem Wissen eine Beziehung zur Venus hat. Das war für mich ein passenden Ort. Sie darf nun in Wind und Wetter vergehen. Dass dieser schreckliche Ort Birkenau in seinem Namen eine Beziehung zur weiblichen Schönheit hat! Ich ging den selben Weg wie Kogan zum Lager, begab mich zu den Ruinen der Gaskammern und gedachte seiner. Berührt hat mich der Eichbaum, der sich über eine der Ruinen beugte. Die Eiche wiederum hat einen Bezug zum Mars- der für Kraft und Mut steht. Ich hatte während der ganzen Reise das Gefühl, dass ich in irgendeiner Weise geschützt war.

 

 

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Spiegelskizzen

Begleitend zu meiner Arbeit an und für Kogan entstanden innerhalb von 10 Monaten 40 Spiegelskizzen, sogenannte Selbstportraits. Ich arbeitete mich hier sehr frei an das Gegenüber im Spiegel heran. Es ging mir nicht um den Wiedererkennungswert. Das Malwerkzeug sollte sich so spontan und spielerisch wie möglich bewegen. Dadurch entstanden extrem unterschiedliche Ansichten einer einzigen Person- der “Viele”.



 

 

 

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Meine wundersame Begegnung mit Moissey Kogan” - eigener Text und Sammlung von Zitaten

Immer wieder Auschwitz. Ich spüre in mir das Verlangen endlich einmal dort hin zu reisen. Das Thema Holocaust begleitet mich schon seit meiner Jugend, zeitweise sehr nah und bedrängend, lange Phasen auch aus weiter Ferne und nur unterschwellig. Nach meinem Wissen gibt es in meiner Familie weder Täter noch Opfer dieses in die Geschichte der Menschheit einschneidenen Geschehens. Ich weiß nicht, warum mich dieses Thema immer wieder so stark beschäftigt. Mein Besuch von Yad Vashem in Jerusalem 2011 war bis jetzt der Tiefpunkt auf diesem Weg. Ich bewege die Idee, ob es wohl möglich wäre zusammen mit anderen Künstlern eine Aktion in Auschwitz zu machen. Nicht als Tourist möchte ich an diesen Ort reisen.

Um 4 Uhr wache ich auf und habe einen starken Traum im Bewusstsein: Ich bin mit einem altmodischen Auto unterwegs. Bei einem Halt am Straßenrand treffe ich auf eine Familie mit zwei Kindern. Das kleine Mädchen muss auf Toilette und die verängstigt wirkenden Eltern wissen nicht wohin mit ihr. Ich frage sie, ob sie mit zu mir nach Hause kommen wollen. Sie steigen dankbar ein. Ich halte vor einem mehrstöckigen Haus in einer größeren Stadt. Die ganze Familie kommt mit in meine Wohnung. Sie betrachten sehr intensiv die Puppen auf meinem Bett. Das Mädchen geht mit ihrer Mutter auf die Toilette- und ich wache auf. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass mich der Traum in die Zeit des Dritten Reiches führte und dass es sich um eine jüdische Familie auf der Flucht handelte.

Im Laufe des Tages entstand in mir die Idee, dass ich nach einem Bildhauer suchen könnte, der in Auschwitz ums Leben kam. Künstler sind so voller Ideen und Visionen. Und diese bedauernswerten Künstler wurden durch den gewaltsamen Tod um die Möglichkeit der Umsetzung beraubt. Vielleicht gibt es einen Weg ihr Werk in ihrem Sinne ein wenig weiter zu führen.

Ich gebe bei Google die Suchwörter „Bildhauer Auschwitz“ ein und gelange auf eine Seite, auf der Moissey Kogan erwähnt wird. Die Fotos seiner Werke sprechen mich spontan an. Ich habe gefunden was ich gesucht habe!

Mir fällt ein paar Tage später auf, dass ich Kogan einen Tag nach seinem 146.Geburtstag (24.5.1871) gefunden habe.

Eines Tages zeigte Kogan seinem Besucher Breker voller Stolz einen riesigen Baumstamm, den man vor sein Atelier geschleppt hatte. Irgendwo in der Nähe war ein Baum in Wind und Regen umgestürzt. Kogan sicherte sich das Holz wie eine Beute. Dann teilte er den Stamm mit Strichen in die entsprechende Länge der geplanten Skulpturen, die er daraus gewinnen wollte. Als Breker im darauf folgenden Frühjahr wieder zu Kogan kam, war der Baum beseitigt. In freudiger Erwartung wollte Breker wissen, was es denn für Figuren geworden seien. Doch von Kunstwerken war nichts zu sehen. "Alles schon verkauft", fragte Breker ? Kogan schüttelte den Kopf und zeigte auf den Eisenofen im Atelier. "Der Baum hat sich durch diese kleine Tür einfach davon gemacht", sagte der Bildhauer. "Aber er hat mir die Wintermonate erwärmt." Zitat aus http://www.meaus.com/moissey-kogan.htm

Beim Lesen dieses Textes kommt mir spontan die Assoziation zu den Krematorien von Auschwitz-Birkenau.

Kogan ist in Birkenau gestorben, ich bin in Birkenfeld geboren.

Ich habe das starke Gefühl, dass ich in eine “Geschichte” hineingezogen werde. Es ist ein ganz neues Erlebnis für mich. Seither hat mich im künstlerischen Schaffen vor allem das Material und die Form interessiert. Nun ist es das erste Mal, dass eine Erzählebene dazu kommt. Und ich spüre stark, dass das Ganze etwas mit mir selbst zu tun hat. Es entstehen erstaunliche Verknüpfungen. Das ist mehr als “Zufall”. Es passt einfach, es ist stimmig.

Literatur über Kogan:

Katharina Henkel: Moissey Kogan (1879-1943). Sein Leben und sein plastisches Werk. Edition GS, Düsseldorf 2002

Gerhart Söhn: Moissey Kogan. Bausteine zu einer Monographie. Edition GS, Düsseldorf, 1980

Sebastian Giesen: Freundlich-Gangolf-Kogan. Drei Künstlerschicksale. Ernst-Barlach-Haus, Hamburg 2004

Zwei Tage vor meiner schon länger geplanten Reise nach Ascona im Tessin finde ich auf der Hommepage https://www.moisseykogan.com/photos ein Foto von Kogan, das in Ascona aufgenommen wurde. Er verbrachte immer wieder Urlaube dort, wohnte und arbeitete aber auch zeitweise an diesem Ort. Ihn verband eine Freundschaft zu Marianne Werefkin, die in Ascona lebte. Im dortigen Museum für moderen Kunst befindet sich ein Portrait von Kogan, gemalt von Otto van Rees. Ich nehme auf meine Reise Ton mit und Fotos einiger Werke von Kogan und versuche mich durch Kopieren in diese besondere Formensprache einzuarbeiten. Zuerst kopiere ich ein Relief einer verträumt sitzenden Frau. Es strahlt so viel Liebe aus, Zartheit und Schönheit. Dass ein Mann soetwas gestalten kann! Mir fällt nach einigen Tagen auf, dass sich mein Arbeitsplatz unter einer Birke befindet.

Tagebucheintrag vom 10.6.2015 Ein weiterer Tag mit Kogan. Ich habe mich an die Kopie der zweiten Skulptur gemacht, nachdem ich die erste heute Morgen beendet hatte- mit dem Wissen, dass ich die Anmut des Originals nicht erreichen werde. Wie sehr Kogan auf die Genauigkeit der Linien achtet! Und das Gesicht, die Augen, der Mund ... Es sieht so zufällig aus, ist aber bis ins Kleinste gestaltet- auch wenn es unfertig aussieht.”

Verena Reimann, Bildhauerein aus Georgensgmünd, Dozentin an der Edith Maryon Kunstschule, hat zugesagt mich im Diplomjahr als Mentorin zu begleiten. Darüber freue ich mich sehr, da sie einen Bezug zu meinem Thema hat: Sie leitet seit einigen Jahren Sommerkurse im Steinbruch Flossenbürg, neben dem sich ein Konzentrationslager befand. Ich habe sie dort als –suchend-- Was hat das heute mit und zu tun? Ihre Frage an mich: was ist es, dass dich so sehr mit dem Thema Holocaust verbindet? Schau auf deinen inneren Weg!

Zitat aus dem Buch von Gerhart Söhn: Von welchen Mysterien muss ein Künstler bewegt sein, der all seine schöpferische Kraft in Unschuld, Lieblichkeit und Schönheit umsetzt, der sich in Not, Elend und politischer Wirrnis in steter Wiederkehr und denoch kreativer Variierung einen Menschen schafft, der dem Alltag enthoben zu sein scheint. Einen Menschen, der sich für ihn in der Frau manifestiert: der jungen Frau, nymphenhaft, der Eva schlechthin, nicht der “sündigen”, sondern der mädchenhaften, das Geheimnis der Schöpfung in sich bergenden, ihre Schönheit in aller Unbefangenheit zur Schau tragenden. Fast möchte man sagen, dass Kogan, wie kaum ein anderer seiner Bildhauerkollegen Ton, Erde, das weiche formbare Material bevorzugte, den mystischen Schöpfungsprozess zu wiederholen trachtete.”

Lebensorte von Kogan: Orgjejeff (Besarabien), Winterthur, München, Weimar, Berlin, Hagen, Ascona, Deurne (Niederlande), Paris

Es ziehen sich nun drei Stränge:

  • die Beschäftigung mit dem Lebensweg und dem künstlerischen Schaffen von Moissey Kogan

  • die Suche nach dem eigenen künstlerischen Weg zur Gestaltung einer Eva-Skulptur

  • das Bemühen um ein Verständnis des Holocaust und dessen Bezug zu mir selbst

Zitat aus dem Buch von Katharina Henkel: (Kogan vor einer Madonna stehend im Musée de Cluny) Was für Andacht, Hingabe, Pietät ist darin. Ja, Kunst ohne Religion geht nicht. Ob die Frau, der Gott, der Teufel es ist- nur völlige Hingabe führt zum Werk.”

Zitat aus dem Buch von Katharina Henkel:  (zum Negativschnitt) So arbeitet er auch nicht von außen her gegen das Material an, sondern geht in die geheimnisvolle Geschlossenheit des Materials hinein, zwingt sich nicht selbst der Oberfläche auf, aktiv und motorisch, sondern schmiegt sich der Masse ein und läßt gewissermaßen die immanente Form sichtbar werden, passiv verharrend.”

Der Innenraum, der sich ausdrückt und der Außenraum, der sich eindrückt.

Zitat aus dem Buch von Katharina Henkel: (Suzy van Hall über Kogan) Denn Kogan sucht nie die Wirkung nach außen, weder in seinen Arbeiten, noch in seinem Wesen. Selbst seine Erscheinung, sein Gesicht scheint gleichsam nach innen gewendet, vollkommen von dem Hineinschauen und Hineinlauschen in die Geheimnisse der sinnlichen Erscheinung und ihrer Gestaltung durch die künstlerische Form.”

Am 4.2.1943 wurde Kogan in Paris verhaftet und in das Lager Drancy gebracht. Am 11.2.1943, 10:15 Uhr wurde er unter der Nummer 290 im Transportzug 902 nach Auschwitz deportiert. Ankunft in Auschwitz am 13.2.1943. Kogan starb am 3.3.1943 in Auschwitz-Birkenau.

Zitate aus dem Buch von Katharina Henkel: (Kubsch über Kogan) Wenn er einen Torso gestaltet, so ist das nicht, wie bei vielen anderen, eine Geste, sondern eine Notwendigkeit, weil er weiß, daß er in diesem Torso die ganze Glut und den strömenden Geist des Lebens hineinbannen kann.”

(Sauerland über Kogan) Kogan wählte für seine Arbeiten einen im Scharfbrande steinzeugartig versinterten Ton, der, körnig und porenreich, das Licht auf seiner nirgends glatten Oberfläche ganz anders aufnimmt und zurückwirft und es in noch viel reicher nuancierten Stufen zwischen Hell und Dunkel über die vielbewegte Oberfläche der plastischen Form schwingen läßt. (...) Das Gefühl für das besondere Massengefüge des körnigen Tons, die feine, der Tastempfindung hemmungslos sich mitteilende Gefühl für den Reiz des Werkstoffs ist hier bis an die Grenze getrieben und bis zum Letzten sind die in ihm liegenden Eigenschaften ausgenutzt.”

(With über Kogan) Darauf beruht dann auch die formale Schönheit, wie sie Kogan mit sparsamsten Mitteln entwickelt, ihr ganz einfaches, gelöstes und einheitliches Gefüge, das sinnliche Gleichmaß und ihre stille Transzendenz, beruht der Fluß der Konturen, ihr Rhythmus und die Ausdruckskraft ihrer Nuancen; die Geschlossenheit des Körpers und das Ebenmaß in der Fläche. Und dann vor allem dieser Zauber und Duft, mit denen das menschliche Sein sich entfaltet, mit der Klarheit der Leiber und der elementarischen Schlichtheit ihres Eros.”

 

Du bist in Birkenau gestorben, ich bin in Birkenfeld geboren.